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Bildungspolitische Statements

(Weitere Materialien zur Musikalischen Bildung finden sich unter "Veröffentlichungen" auf dieser Website)

 

Grundsatzpapier des Bundesverbandes Musikunterricht zur Musikalischen Bildung an Schulen

"Für musikalische Bildung an Schulen" - das ist der Titel eines Grundsatzpapiers, das die BMU-Mitgliederversammlung am 24.09.2016 beim Bundeskongress Musikunterricht in Koblenz einstimmig verabschiedet hat. Dieses für die künftige Arbeit des BMU wegweisende Papier wurde in einem intensiven Diskussionsprozess entwickelt und wird nun von einem breiten Konsens vieler musikpädagogischer Akteur/innen getragen. Es besteht aus fünf Teilen: Einer Präambel, drei Zustandsbeschreibungen - zur Rolle der Musik in der Gesellschaft, zur aktuellen Situation des Musikunterrichtes und der Musiklehrerbildung - und schließlich der Ableitung der eigentlichen Agenda - des "zu Tuenden".

Die Präambel bildet das Herzstück des Papieres - die nicht hintergehbare Norm, die die Formulierung der konkreten Ziele begründet.

"Musikalische Bildung zielt auf Mündigkeit und zunehmende Selbstbestimmung in sozialer Verantwortung. Sie konkretisiert sich in einer grundlegenden Bedeutsamkeit von Musik für die gesamte eigene Lebenspraxis und wird getragen durch einen breiten, individuell erweiterungs- und vertiefungsfähigen Bezug zur Musik."

In den drei Zustandsbeschreibungen benennt der BMU seine jeweilige Position innerhalb von Spannungsfeldern, die sich angesichts der Heterogenität von Musik in der Gesellschaft, im Musikunterricht und der Musiklehrerbildung entfalten. Angesichts der scheinbar unendlichen musikalischen Vielfalt in der Gesellschaft müssen im Musikunterricht der allgemeinbildenden Schule Orientierungen geboten werden - sowohl im Überblick als auch in exemplarischen Vertiefungen. Die Interessen und musikbezogenen Tätigkeiten der Schülerinnen und Schüler bilden dazu den Ausgangspunkt. Um einen zukunftsfähigen Musikunterricht durchzuführen, müssen die sehr ungleichen Bedingungen, unter denen Musikunterricht aktuell durchgeführt wird, auf gemeinsame Mindeststandards angehoben werden - z.B. in Bezug auf Räumlichkeiten, Ausstattung, Verankerung in den Stundentafeln und die Anerkennung der außerunterrichtlichen Tätigkeiten von Musiklehrenden (Leitung von Chören, Orchestern, Big- und Rockbands, Musical-AGs etc.). Im Studium, das sich im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Pädagogik und Kunst verortet, müssen eine frühe Berufsfeldorientierung und die eigene künstlerische Entwicklung der zukünftigen Musiklehrerinnen und Musiklehrer im Gleichgewicht sein. Damit jene den vielfältigen aktuellen und künftigen Aufgaben dauerhaft gewachsen sind, muss Fort- und Weiterbildung als selbstverständlicher Teil der Arbeitszeit verstanden werden.

Dieses Grundsatzpapier wird der BMU einerseits als Basis für die Weiterentwicklung Musikalischer Bildung an Schulen nutzen und hierzu den entsprechenden politischen Entscheidungsträgern übermitteln, andererseits wird es Basis sein für die landesspezifischen Positionierungen der 16 BMU-Landesverbände.

Download Pressemitteilung

 

Energiewende – MINT versus Kunst?

Eine Podiumsdiskussion während der Musikmesse in Frankfurt/Main 2014 mit Michael Pabst-Krueger (Arbeitskreis für Schulmusik), Torsten Geißler (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und Theo Geißler (neue musikzeitung). Regensburg: nmz-media (2014).

Wird die kulturelle Bildung zugunsten der MINT-Fächer an deutschen Schulen wegrationalisiert? Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik werden an deutschen Schulen besonders gefördert, oft auf Kosten des Musikunterrichts. Diese problematische Entwicklung wurde in einer Podiumsdiskussion auf der Musikmesse 2014 in Frankfurt/Main kritisch hinterfragt. Das Video kann über den folgenden Link online abgerufen werden: Energiewende – MINT versus Kunst?

 

Für fachliche Qualität und Professionalität

Eine Stellungnahme von AfS und VDS zur Empfehlung der Kultusministerkonferenz  zur "kulturellen Kinder- und Jugendbildung"
 
Im Oktober 2013 hat die KMK ihre Empfehlung zur "kulturellen Kinder- und Jugendbildung" beschlossen. Die Musiklehrerverbände Arbeitskreis für Schulmusik (AfS) und der Verband Deutscher Schulmusiker (VDS) begrüßen ausdrücklich die in diesem Papier verstärkt geforderten Aktivitäten in der außerschulischen kulturellen Bildung - auch mit Blick auf Kooperationen mit allgemein bildenden Schulen. Gleichwohl halten wir einige Schlussfolgerungen, die gezogen werden, für problematisch, da sie weder mit der wissenschaftlichen noch mit der alltagspraktischen Erfahrung in Einklang zu bringen sind. Zudem sehen wir die Gefahr, dass einige der aufgezeigten Konsequenzen gerade nicht zu einer Bereicherung des kulturellen Lebens an Schulen, sondern zu dessen Verarmung bzw. qualitativen Verflachung führen würden. Wir wenden uns daher an die für die allgemein bildenden Schulen zuständigen Ministerinnen und Minister der 16 Bundesländer, damit in zukünftigen Empfehlungen, Verlautbarungen und Diskussionen zum Thema folgende Punkte berücksichtigt werden:

1. Im KMK-Papier und in anderen Papieren zum Thema "Kulturelle Bildung" wird formuliert, "Kulturelle Bildung" müsse allen Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht bzw. überhaupt erst flächendeckend eingeführt werden. Tatsächlich aber findet "Kulturelle Bildung" tagtäglich an nahezu allen Schulen der Bundesrepublik Deutschland statt und der Fachunterricht in Musik, Kunst oder Theater ist de facto der einzige Ort, an dem "Kulturelle Bildung" alle Kinder und Jugendliche - unabhängig von ihrer sozialen, ökonomischen oder kulturellen Herkunft - erreicht. Kulturelle Bildung ist also bereits im Rahmen der künstlerischen Fächer in der Schule verankert, sodass die erste und zentrale Forderung die Sicherung des qualifizierten und von ausgebildeten Fachkräften erteilten Fachunterrichts in diesem Bereich sein muss.

2. Wir bitten darum, in künftigen Empfehlungen die zentrale Rolle der schulischen "Kulturellen Bildung" eindeutiger als bisher zu artikulieren und deutlich herauszustellen, dass es sich bei Angeboten zur "Kulturellen Bildung" außerhalb des Fachunterrichts an allgemein bildenden Schulen in der Regel um Vertiefungen, Ergänzungen oder individuelle Schwerpunktsetzungen in einem Gesamtangebot "Kultureller Bildung" handelt.

3. Die Musiklehrerverbände begrüßen explizit den Ausbau der außerschulischen "Kulturellen Bildung" auch mit Blick auf vielfältige Kooperationsmöglichkeiten mit Schulen - sei es in Arbeitsgemeinschaften oder anderen zusätzlichen Angeboten in der Ganztagsschule oder auch punktuell mit dem Fachunterricht Musik. Formulierungen in diesem und anderen Papieren zur "Kulturellen Bildung" geben jedoch Anlass zur Sorge, dass der Fachunterricht in Teilen oder auch ganz durch projektartige kooperative Modelle mit außerschulischen Kulturschaffenden ersetzt werden soll oder diese Möglichkeit zumindest in Betracht und als gleich- bzw. gar höherwertiger bewertet wird.

4. Wir fordern deshalb, dass die zuständigen Ministerien die Verantwortung für jedes einzelne künstlerische Schulfach, also den Elementen der kulturellen Bildung, weiterhin übernehmen und dies auch in ihren Positionierungen und Entscheidungen nach außen hin deutlich machen. Der Fachunterricht Musik, für den wir hier sprechen, musste in den letzten Jahren bereits an vielen Stellen deutliche Kürzungen hinnehmen. Er darf in seiner Kontinuität und in seinem curricularen Aufbau, der auf musikdidaktischen Fundamenten ruht und von ausgebildeten Fachlehrern erteilt wird, an keiner Stelle weiter gekürzt, ersetzt oder in andere Weise als "Verhandlungsmasse" in einen allgemeinen Topf der "Kulturellen Bildung" eingebracht werden.

5. Es gibt in diesem und anderen Papieren eine Tendenz, die ästhetischen Fächer zu Lernbereichen, Kulturprofilen o.ä. zusammenzufassen oder neuerdings auch von einer gewünschten "Multiprofessionalität" der Lehrenden zu sprechen. Das Talent, sich in mehreren Künsten ausdrücken zu können, ist jedoch nur sehr wenigen Menschen gegeben und lässt sich vor allem nicht beliebig "anerziehen". Nicht zuletzt deshalb muss in diesen Feldern die besondere Eignung - auch für die entsprechenden Lehrämter - bundesweit in Eignungsprüfungen an künstlerischen Hochschulen oder Universitäten nachgewiesen werden - was nur in sehr seltenen Ausnahmefällen von einzelnen Personen in mehreren Fächern möglich sein wird.

6. Wir fordern daher auf, künftig deutlicher herauszustellen, dass eine hochwertige fachliche Qualifikation der Lehrenden in- und außerhalb von Schule unverzichtbar für die "Kulturelle Bildung" ist und deshalb weiterhin gewährleistet bleiben muss - gerade und insbesondere auch für die inzwischen allgemein als unverzichtbar angesehene Herstellung künstlerischer Produkte als Voraussetzung Kultureller Bildung, die durch deren Rezeption allein nicht erreicht werden kann. Diese fachliche Qualifikation muss sowohl in der Ausbildung als auch im Einsatz der Lehrenden an den Schulen erhalten bleiben. Einer Entprofessionalisierung im Bereich des Unterrichtsfaches Musik, der weiteren künstlerischen Fächern und damit der Kulturellen Bildung insgesamt ist dagegen deutlich entgegenzutreten.

2. April 2014

Dr. Michael Pabst-Krueger (AfS-Bundesvorsitzender)
Prof. Dr. Ortwin Nimczik (VDS-Bundesvorsitzender)